Dienstag, 5. Januar 2016

Unser Badezimmer nimmt Gestalt an


Im Folgenden standen wir vor der Entscheidung womit wir fortfahren sollten. 

Zur Auswahl standen Estrich (für Andreas' Atelier, die Waschküche und letztlich auch das Badezimmer, welches dafür allerdings der Vorbereitung bedurfte), Wände (im Badezimmer als Vorbereitung für den Estrich und im kleinen Zimmer ganz generell) oder Dachvertäfelung.

Aufgrund der noch immer recht milden Witterung liebäugelten wir mit dem Estrich, entschieden uns dann aber für die Wände, da diese für die Estricharbeiten gerne im Vorfeld fertig sein dürfen.

Und so begannen wir uns zunächst mit dem Badezimmer auseinanderzusetzen.
Unser Badezimmer in seiner heutigen Form besteht aus zwei ehemaligen Räumen: dem ehemaligen Badezimmer und dem Schlafzimmer, das die Schwiegermutter des Vorbesitzers genutzt hatte und dessen Wände man einst geteert hatte.
Damals bestand eine meiner Aufgaben darin, den geteerten Putz so gut es eben ging mit Hammer und Meißel von den Wänden zu holen; an einigen Stellen war dies ein Kinderspiel, an anderen Stellen (vornehmlich dort, wo Zementputz mit im Spiel war) ging es in Plackerei über...



Das alte Badezimmer.



Das alte Schlafzimmer.



Nachdem Andreas damals die Wand zwischen den beiden Räumen entfernt und eine Türöffnung vermauert hatte, entstand ein ansprechend großer Raum. Aber er hatte gelitten, was sich insbesondere im nur noch rudimentär vorhandenen Mauerbrett manifestierte. Auch die Glasbausteine von einst waren alles andere als liebevoll eingesetzt worden.
Eine der ersten Amtshandlungen des Bauherrn war damals die zukünftigen Abwasserleitungen zu legen und eine kleine Mauer, die den Duschbereich räumlich trennen sollte zu mauern.
Dann setzte er im späten Herbst die über das Internet ergatterten neuen Glasbausteine ein, die unsere Dusche einerseits mit Licht aus dem Atelier versorgen, uns andererseits durch ihre leicht opake Beschaffenheit nicht vom Duschen abhalten sollen.


Es gibt sie noch, die guten alten Glasbausteine.

Dann setzte sich Andreas mit dem kaum noch vorhandenen Mauerbrett auseinander.
Im Laufe der Jahrzehnte hatten der Zahn der Zeit, die Witterung und auch die Feuchtigkeit am Holz genagt und man hatte damals bereits Maßnahmen (Zementmörtel) ergriffen, um die Aufgabe des Balkens zu ersetzen.
Diese Maßnahmen galt es nun wieder rückgängig zu machen und stattdessen die entstehende Lücke sauber mit unseren Minis und Kalkmörtel sauber auszumauern.


Andreas beim Entfernen des Zementmörtels.


Der neu ausgemauerte Mauerbrettbereich.


Dann machte sich der Bauherr an das Abrappen der Wände mit Kalkmörtel um der Wand wieder die Stabilität zu geben, die sie verdient hat.
Den Duschbereich verputzte er, da wir später in diesem Bereich fliesen wollen.


Der Duschbereich - jetzt mit neuen Glasbausteinen und Vorbereitung für Wandfliesen.


Wie auch in fast allen anderen Bereichen griff Andreas nach dem Abrappen mit Kalkmörtel auf den guten dänischen Strandmörtel zurück um damit die Wände zu vandskuren.


Beim Vandskuren...


... und danach.


Ebenso verfuhr er mit der Nordwand, die nicht weniger gelitten hatte.



Abrappen und Verfüllen von Löchern mit Kalkmörtel.



Nach dem Abrappen.



Und dann vandskuren mit Strandmörtel.


Nachdem der Strandmörtel getrocknet war, konnte ich streichen. Aufgrund der Beschaffenheit des Mauerwerks (wir haben nicht alle Teerreste entfernen können) entschieden wir uns dafür, erst einmal eine Schicht Spezialfarbe einzusetzen. 


Spezielle Farbe für spezielle Wände.

Danach machte ich mich an das Kalken, dieses Mal jedoch mit einer etwas anderen Rezeptur.
Da ich mir nicht sicher war, ob Kalkaseinfarbe das richtige Mittel der Wahl für ein Badezimmer war, entschied ich mich für Kaliwasserglas als Bindemittel; dieses soll die Farbe unempfindlicher gegen Wischen und Feuchtigkeit machen (eigentlich eher etwas für den Außenbereich), ist hochalkalisch (tötet also alles, was dort noch herumkreuchen sollte, ab) und etwas eigenwillig in der Verarbeitung (reagiert umgehend mit dem Kalk in Verbindung mit Sauerstoff und sollte fix verarbeitet werden bzw. unter Luftausschluss gelagert werden). 
Kaliwasserglas hat die Eigenschaft an der Luft mit dem Untergrund zu verkieseln und ihn witterungsbeständig zu machen. Man kann damit verputzte Wände grundieren oder, verdünnt mit 1-2 Teilen Wasser, Fassaden behandeln - was wir uns für den noch ausstehenden Sockelbereich bereits vorgemerkt haben. 



Das gekalkte Badezimmer...



... erstrahlt in luminösem Weiß.


Der nächste bauliche Schritt bestand darin, die nun neu vermauerten Deckenbalken mit einer zusätzlichen Auflage zu versehen.
Andreas hatte bei Wilhelm ein entsprechendes Holz besorgt, hob mit der Drehsteife die einzelnen Balken leicht an, sägte Auskerbungen in das Trägerholz und fixierte es mit massiven Schrauben in der Mauer.


Mauerbrett 2.0


Blieb nur noch der Boden.
Da wir im Badezimmer gerne eine Fußbodenheizung haben möchten, kauften wir eine entsprechend große Menge Schlauch, stockten unseren Vorrat an Blähtonperliten auf und griffen auf unsere gute Stahlmatte zurück. Fußbodenheizung nach alter Väter Sitte.
Dafür verteilten wir erst einmal die Perlite ebenmäßig auf dem Boden.


Nach dem Ausschütten eine staubige Angelegenheit: Blähton.

Dann schnitt Andreas die Stahlmatten so zurecht, dass wir sie im kompletten Bodenbereich auf die Perlite legen konnten. Und dann kam auch schon der Heizungsschlauch zum Einsatz; mit Hilfe von kleinen Kupferdrähten und einem Haken, der in sich selbst dreht, wenn man zieht, verlegten wir den Schlauch nach Andreas' ausgeklügelten System im gesamten Raum.



Wenn man erst einmal einen Anfang gemacht hat, ...



... geht die restliche Verlegung recht leicht von der Hand.


Nun fehlte nur noch der Estrich.
Unmittelbar bevor das Wetter uns in Form eines plötzlichen Temperatursturzes einen Strich durch die Rechnung machen konnte gaben wir noch einmal Gas und schmissen die Mischmaschine an; etwa 10l Wasser, zwei Schaufeln Zement und eigentlich acht Schaufeln Sand (bei meiner Schaufelgröße geht die Tendenz eher zu gut 15 Schaufeln...), so dass eine recht dröge Mischung dabei herauskam, die Andreas sich schubkarrenweise ins Badezimmer rollte.


Portionsweise verarbeitete Andreas den Estrich.



Glättete den Estrich.



Und versah den Duschbereich mit entsprechenden Schrägen für den Ablauf.


Estrich muss laut Andreas gut drei bis vier Wochen trocknen bevor man ihn Fliesen kann (betreten kann man ihn schon nach einem Tag), also hat das Badezimmer nun erst einmal eine Ruhepause, in der ich mich mit kleinen kosmetischen Arbeiten (übergekrickelte Farbe vom Holz rubbeln, nachölen, letzte Teerspuren vom Holz schleifen, letzte Macken übermalen, etc.) beschäftigen kann, sobald die Temperaturen wieder streichfreundlicher geworden sind.



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